2 x 3 Prognosen für die Buchbubble in 2026: die Sehnsucht nach Offline und Cosyness

Prognosen für die Buchbubble in 2026 -- Lily Magdalen, Autorin dunkler, poetischer Fantasy

2026 verändert sich etwas in der Buchwelt. Es wird reagiert auf die Ereignisse im Außen, auf Stimmungen, auf eine Welt, die kälter und bedrohlicher scheint. Eine große Sehnsucht ist da, die Sehnsucht nach mehr Sicherheit, mehr Einfachheit, mehr Echtheit.

Ich habe festgestellt, dass ich mich im letzten Jahr fast auf eine stille Beobachterinnen-Position begeben habe: meine eigenen Erlebnisse als Autorin, dieser Blog, mein Brotjob im Buchhandel – überall gab es kleine Aha-Momente, Gedankenanstöße und generell einfach Muster, die mir aufgefallen sind. Mag sein, dass Trend-Forscher:innen andere Dinge prophezeien. Mag sein, dass Chat GPT andere Antworten ausspucken würde, würde ich es mit der Frage nach den Trends für die Buchbubble in 2026 füttern (mache ich nicht!). Mag sein, dass ich mich irre. Die folgende Auflistung ist subjektiv – aber gespeist durch Beobachtungen durch die Linse als Autorin, als (Wieder-)Bloggerin und Buchhändlerin. Seien wir gespannt, was das Jahr tatsächlich bringt!

Zusammenfassung

Aus meiner Position als Autorin, Bloggerin und Buchhändlerin – das sind meine Prognosen, wie sich die Buchbubble in Phantastik und Young/New Adult in 2026 entwickeln wird.

Bloggen & Marketingdie große Sehnsucht nach dem Analogen:
→ Buchclubs boomen – im digitalen wie im analogen Raum.
→ Die Zeiten von Insta als DER EINE Marketingkanal sind vorbei – andere Wege werden gefunden, ausprobiert und erweitert. 
→ Indie- und Selfpublishing-Projekte leben vor allem von intentionaler Kooperation, Community wird wichtiger denn je.

Lesen – die große Sehnsucht nach Cosyness:
→ Mehr Cosy Reads – genreübergreifend sowohl als Cosy Fantasy, Cosy Crime und gemütlichen Romance-Büchern
→ Trend: Jahreszeiten-Bücher in New Adult und Romance
→ Hype-Train Alchemised: Ist die Luft schon raus aus von Fanfiction inspirierter Original Fiction?

Schreiben – Prognosen für 2026 in Vernetzung & Marketing

1.RIP, Social Media I: Buchclubs & Co. – die große Sehnsucht nach analog!

Es ist zum einen das politische Klima, zum anderen die um sich greifende „Enshittification of everything”, die digitale Plattformen auch in Sachen User Experience immer ungemütlicher macht, die mich zu einer zentralen Beobachtung führt, an der man jetzt, im Übergang zu 2026 kaum vorbeikommt: die große Sehnsucht nach Analogem! Nach Erlebnissen außerhalb des digitalen Raumes. Destination: offline.

So erleben auch Buchclubs einen neuen Aufschwung, mit altbewährtem Konzept: Menschen treffen sich in Cafés, Büchereien, Buchläden, wo auch immer es sich eine Weile gemütlich sitzen lässt, und lesen gemeinsam. Mal stillschweigend, das Konzept Silent Book Club, mal mit regem Austausch über das (vorab) gelesene Buch. Und manchmal werden auch Autor:innen zum Buchclub eingeladen.

Und wer weiß, vielleicht könnte es auch eine interessante Idee fürs eigene Autor:innen-Marketing sein, einen eigenen Buchclub ins Leben zu rufen. Schließlich ist es das, was Schreibende und Lesende verbindet: die Liebe zu guten Geschichten!

2. RIP, Social Media II: Blogs, Substack, Patreon & Co. – digitale Wege abseits von Instagram

Wer kennt es noch, das Instagram von früher, bevor die Meta-Krake es sich einverleibt hat? Quadratische Bilder, mit Filtern oder gar Rahmen versehen, ein chronologischer Feed. Man teilte, was man mochte. Den Kaffee mit Milchschaum, die Füße in Doc Martens auf spannendem Mosaikboden, den Sonnenuntergang. Strategie? Wofür? Dann kam der Gedanke auf: eine kostenlose Plattform, die so einfach zu bedienen ist, die lässt sich doch hervorragend für Marketing verwenden. Heute, zehn-und-irgendwas Jahre später, haben wir den Salat: Marken kommentieren, als wären es Personen, Menschen posten, als wären sie Marken, und überall will dir etwas verkauft werden. Oder Geld mit deiner Zeit gemacht werden, mit Engagement, mit Empörung. Mit deiner Angst, die dich endlos im Doomscrolling-Loop hält.

„Keine Lust mehr auf Social Media!” So hört man es an jeder Ecke seufzen. Und oh, wie gut ich es verstehe! Doch nicht alle möchten der digitalen Welt komplett den Rücken kehren (die Ironie, dass ich hier auf meinem Blog von einer Sehnsucht nach Analogem erzähle, entgeht mir natürlich nicht!). Aber vielleicht andere Wege und Orte finden. Das mag Twitch für die einen sein, ein Blog für die anderen. Manche Autor:innen haben eine große Community auf Patreon, andere entdecken Long Form Content auf Substack für sich.

Die Entwicklung ist natürlich nicht vollkommen neu, sondern längst zu beobachten. Es bleibt spannend, ob sich das in 2026 noch einmal verstärken wird, vielleicht irgendwann einen eigenen Sog entwickelt.

3. Gemeinschaft zählt! Gezielte Anthologie-Projekte in der Indie-Bubble

Wo es kalt und ungemütlich wird, da wandern die Menschen nicht nur ab, da rücken sie gleichzeitig auch näher zusammen. Die schönsten Momente in der Buchbubble waren schon immer diejenigen, in denen ein Gemeinschaftsgefühl aufkommt (so wie die Schreibnacht-Treffen vor so vielen Jahren …). Und auf ein solches muss man nicht warten, das lässt sich auch herstellen. Wo viele Kreative auf einem Haufen sind, da sprüht es vor kreativen Ideen, vor Schaffenskraft.

Vielleicht ist diese Prognose meinerseits für das neue Jahr lediglich von einer nostalgisch-gefärbten Hoffnung gespeist: Neue Gemeinschaftsprojekte wie Anthologien entstehen – und zwar weniger mit offenen Ausschreibungen, sondern vielmehr durch gezielte Einladungen seitens der Herausgebenden. Einfach nur aus dem Wunsch heraus, dieses Thema zu machen – und zwar mit den Menschen, mit denen man gerne zusammenarbeiten möchte. Dem Druck auf dem sich immer schneller drehenden Karussell etwas entgegensetzen, bei dem es um etwas ganz anderes geht als um „Erfolg”. Und wo ließen sich solche Passion Projects besser umsetzen als im Indie-Bereich? Sei es Selfpublishing oder Kleinverlag – es lohnt sich, die Augen offenzuhalten.

Lesen – Prognosen für 2026 in Phantastik & Young Adult

4. Mehr Cosy! Cosy Fantasy, Cosy Crime, …

Zu den Dingen, die mich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive am meisten faszinieren, zählt das Phänomen, dass man an den Lese-Trends einer jeweiligen Zeit ablesen kann, was die Gesellschaft beschäftigt und bewegt. Was sagt es über die heutige Zeit, dass ich nicht nur in meiner Arbeit als Buchhändlerin, sondern auch als Leserin anekdotisch einen ganz starken Sog in Richtung Cosyness fühle?

So sehr, dass es meine erste Prognose für das Lesen in 2026 sein muss: Es wird mehr Cosy in den Regalen der Buchhandlungen stehen – genreübergreifend. Wohlfühl-Fantasy wie das im Herbst erschienene „A Dark and Secret Magic” (ich sage nur: Cottagecore at it’s best!) oder „Agnes Auberts zauberhafte Katzenzuflucht”, auf das ich mich bis Frühjahr freuen darf. Nostalgische Cosy Crime zum Miträtseln (wer liebt noch einen guten Whodunnit?) mit schrulligen Charakteren und keinerlei Risiko, nachts nicht einschlafen zu können. Gemütliche Kleinstadt-Romanzen, bei denen kaum mehr auf dem Spiel steht als das Gelingen des jährlichen Herbstfestes.

Lesestoff mit Kakao-und-Schlagsahne-Feeling, die gemütliche Seite des Eskapismus. Was Ende 2025 bereits begonnen hat, wird in 2026 noch zahlreicher in die Buchläden und somit auch Bücherstapel zuhause (und #Booktok-Feeds) einziehen dürfen.

5. Jahreszeiten als Buchtrends, vor allem im Romance-Genre

Sagte jemand Kleinstadt-Herbstromanzen? Laurie Gilmore hat mit „Meet Me in Autumn” damit angefangen. Keinen Hehl daraus gemacht, den „Jeden Herbst schaue ich Gilmore Girls bei einer Tasse nach Pumpkin Spice duftendem Heißgetränk und romantisiere dieses Erlebnis so sehr wir irgend möglich”-Trope einfach eins zu eins in Romanform gegossen zu haben.

Die Vorschauen fürs Frühjahr zeigen: Dabei wird es nicht bleiben. Und wenn ich eine Prognose wagen darf: Nach dem Herbst darf jede Jahreszeit ihr ganz eigenes, romantisierendes Young-Adult-Themenregal bekommen. Der Frühling in duftig-blumigen Pastellfarben. Der Sommer in hitzeflirrend-bunt. Der nach Zimt und Pumpkin Spice duftende Herbst natürlich. Und der Winter mit Schnee und Adventszauber. Die entsprechenden Texte dürften längst auf den Tischen der Verlagshäuser liegen.

Spannend ist für mich hier vor allem die Frage: Beschränkt sich der Trend auf Young/New Adult, aufs Romance-Genre? Oder werden wir auch in der Phantastik mehr und mehr Jahreszeiten-Bücher sehen?

6. Der Alchemised-Hype ist abgeflacht – bye, Fanfiction-inspirierte Fantasy?

Alchemised wurde nicht nur in der Bubble, sondern auch im Buchhandel angekündigt als the next big thing. Ein Hype wollte generiert werden, der seinesgleichen wohl nur in Buchreihen in den frühen 2000ern fand. Passiert ist … außerhalb der Bubble nicht viel?

Wagte ich in meinem glühenden Text zur Fanfiction noch das Träumen, Alchemised würde dieser Textgattung zu mehr Sichtbarkeit verhelfen, so bin ich jetzt, nur wenige Monate später, schon viel zurückhaltender. Es hätte so kommen können, dass ich an dieser Stelle für 2026 prognostiziere, dass wir mehr erfolgreiche Fanfictions in Original Fiction umgewandelt sehen werden.

Doch für realistischer halte ich, dass nach dem großen Vorab-Wirbel nicht viel mehr passieren werden wird. Alchemised bleibt in der Bubble, die Sichtbarkeit und Beliebtheit von Fanfiction schrumpft wieder auf den unterschätzten, aber nichtsdestotrotz riesigen Kreis an Fandom-Nerds zusammen. Aus Sicht eines solchen Nerds gesprochen: Das Schlechteste ist das nicht. (Nur das Belächeln von und Herabschauen auf die Fanfiction, das lassen wir ab 2026 endgültig sein – okay, Buchwelt?)

Was machen wir in 2026 nun daraus?

Ganz unabhängig davon, ob meine Prognosen für die Buchbubble in 2026 – drei fürs Marketing und Vernetzen, drei fürs Lesen – nun tatsächlich eintreffen werden: Die Frage aus der Zwischenüberschrift ist leicht zu beantworten.

Wir machen, was wir immer machen: Wir leben unsere Liebe zu guten Geschichten. Wir erzählen sie, wir lesen sie, wir tragen sie in die Welt hinaus. Geschichten sind untrennbar Bestandteil von allem, was den Menschen grundlegend ausmacht – ganz beständig, unabhängig von Prognosen und Trends.

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