Ein ganzer Strauß Blackout Poetry: Wrap-up meiner Blogparade

Als „Aufruf“ war er überschrieben, mein erster Beitrag zur Blogparade. Dabei mochte ich ihn lieber als Einladung verstehen. „Herzlich willkommen am großen Holztisch in meinem kreativen Atelier. Tee & Kekse stehen bereit, das Papier wartet auf dich. Come as you are.” Das waren die Worte, die ich verwendete, um als Gastgeberin die Tür zu meiner Blogparade zu öffnen. Eine Einladung, mit (meinen) Worten zu spielen, aus bestehenden Buchseiten durch Streichen, Schwärzen, Markieren neue Texte herauszuschälen. Blackout Poetry nennt sich das wunderbare Medium, das diese Magie zu wirken imstande ist.

Am Ende waren es neun Personen, die meiner Einladung gefolgt sind, gleichsam Platz genommen haben am Holztisch im Atelier, vor uns auf der Tischplatte alte und neue Bücher, Doppelseiten aus Kurzgeschichten, Marker, Filzstifte, Wachsmalstifte, Masking-Tape, sogar Pinsel und Farbkasten … Ganz unterschiedliche Erfahrungen, Gedanken und Ideen brachte jeder dieser neun Menschen mit; darauf eingelassen haben sie sich alle.

Blackout Poetry aus neun Blickwinkeln: Beiträge zur Blogparade

Hier die wunderbaren Beiträge, die die Teilnehmenden während der Blogparade unter meiner Einladung hinterlassen haben. Neun Perspektiven auf Blackout Poetry, von spaßig bis ernst, von leichtfüßig bis tiefgründig. Von alter Liebe bis neuer Entdeckung. Und manchmal, da endet ein Experiment auch mit dem Ergebnis: Das ist nichts für mich.

1. Susanne Pohl: Wie Taval mir die Leichtigkeit zurückschwärzte

Vor allem ein Begriff stach für mich aus Susannes Worten über ihr eigenes Experiment mit Blackout Poetry heraus, seine Verspieltheit: „die Lust am Schabernack”. In diesem Sommer oder was davon übrig ist, für das gesamte restliche Jahr, generell im eigenen (Kreativ-)Leben. Mehr davon! Lasst uns mehr Schabernack wagen.

„Die Kantinenkarte verschaffte sich maritimen Schnickschnack für den Notfall. Über einer SMS war auf einem Bild ein Vielleicht”

2. Jennifer Dillmann: Ich finde ein Gedicht

Weiß auf Schwarz, Schreibmaschinenschrift, gespickt mit leuchtendem Hellgrün und Fliederviolett. So folgen wir Jennifers Protokoll ihrer Suche nach den Worten hinter den Worten. „Text verschwindet, Struktur entsteht – fast meditativ.” Ein Stream of Consciousness, der mich sehr berührt hat.

Wie schön!
Der Wunsch ins Abenteuer
Kein Altwerden
Ein Eckerl Schokolade
Große Portion Glück
Apropos
Kleine Dinge
Große Freude
Kraft gefunden
Ein Atemzug
Ich tue es”

3. Maschas Buch: Also mal ehrlich …

„Also mal ehrlich”, so überschreibt Mascha ihren Beitrag zum Blackout-Poetry-Experiment, um dann direkt vorwegzunehmen, das sei einfach nicht ihr Ding. „Gescheitert” empfindet sie sich mit der Kreativtechnik. Ich hingegen sehe einen wundervoll trotzigen, starken Beitrag. Wille, Widerstand, Ausdruckskraft. Es zieht sie zurück zu ihren Collagen, dort fühlt sie sich zuhause. Ein Scheitern ist das nicht in meinen Augen, ganz im Gegenteil.

„Verschwenderische Fülle von Rosen
Duft
am Nachmittage kehrte die Mutter zurück
da war die Enttäuschung groß
im Geiste
Trübsinn
neue Hoffnung
in ihrem Herzen
die goldenen Treppen
eines neuen Luftschlosses empor.
Liebling ihres Herzens trösten
Über Berg und Tal schlossen sich zu gleicher Zeit vier Mädchenaugen zum Schlummer.
Hand in Hand”

4. Pia Helfferich: Blackout Poetry ausprobiert: Wie aus einer Buchseite plötzlich sportbgeisterte Automaten wurden

Pia wurde in ihrem Experiment vom Ergebnis überrascht. Gehofft hatte sie auf „etwas Berührendes, etwas Verblüffendes” – und plötzlich steht da „ein bisschen Quatsch” auf dem Papier. Doch dann sinniert sie darüber, dass dieses kleine Stückchen Absurdität genauso gut der Beginn von etwas Neuem sein könnte, einer Kurzgeschichte zum Beispiel.

„Automaten sind sportbegeistert.
Sie hopsen in der Rouletteschüssel.
Sie gewinnen, Spiel aus
lange nach Mitternacht.
Die Spieler fluchten wie der letzte Tag.”

Der Beginn von etwas Neuem war die Blackout Poetry für Pia auf jeden Fall, denn sie nahm den Impuls direkt mit. Kurzerhand brachte sie meine Vorlagen in einen Ferien-Workshop mit 11- bis 12-jährigen Kindern mit. Blackout Poetry mit meinen Worten, durch Kinderaugen gesehen. Auf etwas Verblüffendes, Berührendes hatte Pia für ihr eigenes Experiment gehofft – und es mir geschenkt. Der Blick in den Blogbeitrag lohnt sich: Ganz wunderbare kleine Textperlen sind dort entstanden!

5. Diana, Kreative Zeiten

Nicht immer muss man „etwas aus dem Ergebnis machen”, wenn man Blackout Poetry ausprobiert. Und so war es genau das, was für mich aus Dianas Schilderung ihres Experiments besonders hervorstach. Eine der Seiten, aus denen sie durch Schwärzen einen neuen Text herausschälte, beließ sie einfach im Buch, das sie zurück ins Regal stellte. Eine Überraschung für ihr Zukunfts-Ich, wie ein Mini-Gruß an das eigene Selbst durch die Zeiten hinweg. Eine Form von Magie, wie ich finde.

„Der Lebensfaden spinnt Glückliche Energie in vollkommener Schönheit und bedeutet Harmonie.”

6. Hannah B.: Blackout Poetry

Hannah, die wie ich schon lange von Blackout Poetry begeistert ist (und meine Liebe zu Pinterest teilt), erwies mir die Ehre, meine Vorlagen zu verwenden, die ich im Aufruf zur Verfügung gestellt habe. Neue Poesie aus meinen Texten machen; vielleicht spricht ihr Ergebnis deshalb so sehr zu mir. Es ist, als luge da ein anderer Teil meiner selbst aus ihrem Poem hervor, den ich in diese Geschichte doch gar nicht hineingeschrieben hatte – oder?

Eine neue Perspektive 
Anders, bewegt, leicht.
Ich spiele.
Improvisation, Bewegung, Rhythmus, Gefühl.
Ich springe, tanze, blinzle.
Spielt weiter.”

7. Manuela Krämer: Lösche Wörter, finde deine Stimme

Eine Seite aus einer Horror-Geschichte, die Manuela eher abschreckend fand, in etwas Poetisches verwandeln? In mehreren Versuchen von kopfgesteuert zu verspielt-mutig reisen? Poesie, die donnert? Manuelas Beitrag zu meiner Blogparade zu lesen, ist pure Freude für mich! Ganz besonders gefällt mir, dass ihre Poems sich und sie noch über den Moment der Entstehung hinaus bewegen – und sie so ein paar Tage später noch ein weiteres Wort in einem ihrer Texte löscht. Ich bin mir sicher: Ihre Schreibwerkstätten zum Business Storytelling müssen großen Spaß machen!

„KÄFIGVOGEL
Wie einen Käfigvogel
könnte ein Monat vergehen
Freiheit.
Was band mich?
Ein Irrlicht, Furcht,
Unvorhersagbare Furcht.
Ehrfurcht.”

8. S. J. Kamber: Tag (Blackout Poetry)

Mit S.J. Kamber verlassen die die Blogs für einen kurzen Ausflug zu Patreon, wo sie ein Buch, dessen Geschichte sie gar nicht gepackt hat, in etwas Neues verwandelt. Wie „ein Akt der Befreiung” fühlt sich das für sie an, hatte sie doch anfangs große Hemmungen, ein Buch zu „beschädigen”. Eine kleine Rebellion, die etwas in mir angerührt hat, wie das kleine (Alltags-)Rebellionen so gerne tun.

„Ein Tag fängt wieder an,
wie er gestern war und wie er morgen sein wird.
Man entgeht dem Tag nicht.
eine einzige Sehnsucht: einen brennenden Schnaps
Eine Weile zögert er noch,
‘Ich geh jetzt, Louise’
Es ist täglich dasselbe Zwiegespräch.
Er setzt die Baskenmütze auf. Seine Bewegungen sind langsam und unsicher.
Es ist eine Gefängnistür.
Seine Hand fällt herab.”

9. Maike Frie: Blackout Poetry

Maike teilt unter meiner Blogparade einen Beitrag aus dem Jahr 2018, in dem mir allein schon das Beitragsfoto ein freudiges Lächeln ins Gesicht zaubert. Nicht nur die Texte können so unterschiedlich ausfallen bei Blackout Poetry, auch die visuellen Gestaltungsmöglichkeiten bieten einen bunten Strauß an Möglichkeiten. Schwarzer Edding auf weißem Papier ist da nur der Anfang.

„Die Kollegen sind erfolglos.
Ich nicht.”

Mein Fazit zur Blogparade

Wie könnte ich mich anders fühlen als beseelt nach neun so wunderbaren Beiträgen? Jeder einzelne davon hat mich auf ganz eigene Weise bewegt, und dafür danke ich allen Teilnehmenden von Herzen!

Soll es jetzt einfach dabei bleiben? Ich spüre, wie es mir … ja, ein wenig in den Fingern kribbelt, diese Erfahrung auch von der digitalen Welt in die analoge zu tragen. In der Einleitung meines eigenen Selbstversuchs hatte ich es kurz angedeutet: Anfang des Jahres hätte ich beinahe einen Kreativ-Workshop zu Blackout Poetry gehalten. Dieser kam jedoch nie zustande. Aber wie schön wäre es, diese Idee wiederaufleben zu lassen? Eine Idee dazu streckt in meinem Geiste schon zarte erste Triebe aus der Erde.

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